Geschichte(n)

Meine erste Platte

Dies ist meine erste Solo-CD. Die Langspielplatte (Leute unter 20 lassen sich bitte diesen Begriff von ihren Eltern erklären), die von mir vor über 30 Jahren erschien, zählt ja nicht.
Sie hat allerdings auch eine schöne obskure Geschichte.

Eine Sekretärin der Plattenfirma Hansa hatte mich im GO-IN gehört und mir ein Gespräch mit ihrem Chef, mit dem Herrn Blume, vermittelt. Dieser freundliche Mensch hatte anscheinend vor, die Firma, deren größter Star zu der Zeit Marianne Rosenberg war, mit einigen Chaoten aufzupeppen, was ihm dann mit Frank Zander, Gunter Gabriel und später mit Gebrüder Blattschuss auch gelungen ist. Im Laufe des Gespräches fragte mich Herr Blume, den ich übrigens auch weit später trotz mehrerer Angebote seinerseits nie beim Vornamen nannte, ob es nicht eine Aufnahme von meinem Programm gäbe.

Ja, es gab eine! Eine echt professionelle Aufnahme, sogar in Stereo! Aufgenommen mit einem UHER-Report vor ca. 20 begeisterten Zuhörern in einem Treppenhaus des Museums zu Osnabrück, was über einen schönen Naturhall verfügte.

Ich besorgte die Aufnahme und die Firma kaufte mir die Rechte für, ich glaube, 500 DM ab. Ich gab die Hälfte davon an den Tonbandbesitzer weiter und machte mir weiter keine Gedanken. Irgendwann kam ein Fotograf vorbei, Jim Rakete (später Manager von Nena), und machte ein Foto fürs Cover. Da sie mein Gesicht aber nicht auf die Vorderseite der Platte bringen wollten, bat man mich um einige persönliche Dinge und Angaben und ein begabter Mensch in München bastelte daraus das Titelfoto für "Ich bin so guter Dinge", die erste LP von Beppo Pohlmann.

Ich trat damals zwar nur als "Beppo" auf, aber die Firma fand, dass das zu nahe an "Otto" (Waalkes) war, der damals gerade groß rauskam. So kriegte ich den Pohlmann zurück, der eigentlich schon in dem "-po" von Beppo aus Bernhard und Pohlmann enthalten war. Aus ursprünglich BePo war im Lauf der Zeit Beppo geworden.

Ich machte mir immer noch keine Gedanken und eines Tages war die Scheibe da. Ich habe sie mir öfter angeschaut, sie war optisch ganz gut gemacht, aber angehört habe ich sie nicht. Das hatte zwei Gründe. Ich kannte alles, was drauf war, schließlich war es ja von mir, und zweitens hatte ich gar keinen Plattenspieler. Ich besaß aber immerhin schon eine Platte, eine Single von "Seven drunken nights" von den Dubliners. Ich hatte außerdem auch kein Tonbandgerät oder Kassettenrecorder und hatte deswegen den Mitschnitt meines Auftritts nie abgehört.

Als später irgendwann auf einer Party jemand glaubte, mir einen Gefallen zu tun, indem er die Scheibe auflegte, brach ich fast zusammen. Ich fand das Ganze tontechnisch, atmosphärisch und auch von dem, was von mir rüber kam, unterirdisch. Dennoch sollen die damals ca. 1000 Stück davon verkauft haben, ich frage mich, an wen, denn ich lief damals nicht mit einem Kasten voller LPs zu Auftritten, um sie danach zu verkaufen, das tat keiner, oder ich war mal wieder der einzige, der das nicht geschnallt hatte. Jedenfalls nahm ich mir vor, bei meinem nächsten Solo-Live-Album besser aufzupassen, ich hatte ja keine Ahnung, dass das 30 Jahre dauern würde.

© Beppo Pohlmann