Geschichte(n)

Warum (k)ein Buch

Früher gab es mal das Klischee vom "Buch in der Schublade". Jeder, der textlich irgendetwas kreatives im kleinen Bereich machte, behauptete, er hätte die Idee für ein Buch oder gar das ganze fertig in der Hinterhand und das Werk warte quasi nur noch darauf, publiziert zu werden und flugs in die Bestsellerlisten zu springen. Mir war das immer zu gewagt, mich schreckte nicht wie andere, die berühmte erste leere Seite, sondern die zwei- bis sechshundert, die dann noch hätten kommen müssen. Eine Seite zu füllen, ist für einen Liederschreiber, aber da braucht man, bedingt durch die äußere Form, nicht einmal die Zeilen ganz zu füllen, und, wenn man den Refrain nicht jedesmal ausschreibt, kommt man meistens mit einem DIN A 4 Blatt hin. Ich bin übrigens der Meinung, dass es auch nicht mehr sein sollte.
Ein Buch verlangt Planung, Aufbau sowie Konsequenz und Stringenz. Schon die letzten beiden Begriffe sind gar fürchterlich, weil ich sie nie ganz verstanden habe und sowieso alles, was eine gewisse Exaktheit verlangte, häufig erfolgreich umgangen habe. Dennoch steht so ein geistiger Oberstudienrat alter Prägung hinter mir unter verlangt scheinbar Disziplin.
"Natürlich" bin ich mit den Jahren ordentlicher und organisierter geworden, speziell in der Planung und Durchführung von Auftritten, aber das sind punktuelle und überschaubare Dinge nach deren Erledigung ich mich wieder dem kreativen Chaos hingeben kann. Mit der Ordnung ist es so eine Sache. In der Schule hat man versucht, uns so was einzubläuen, aber keiner hat uns erklärt, dass Ordnung clever ist. Man hat uns eh nix erklärt, nur was gelehrt, das ist heute so was von umgekehrt, dass es auch schon wieder nervt. Ich habe mich jedenfalls zu etwas mehr Ordnung gerufen, als ich ein monatelang vermisstes und schon lange als verschollen geltendes Manuskript zwischen einem nicht benutzten Klavierhocker und einem ebenfalls nicht benutzten Aktenkoffer entdeckte. Darauf bin ich in mich gegangen, aber da sah es auch nicht aufgeräumter aus. Ich bin jetzt ordentlich, wenn auch nicht so wie der Sänger und Autor Heinz Rudolf Kunze, der einmal bekannte: "Wenn ich mit 15 schon gewusst hätte, wie ordentlich ich einmal werde, ich hätte mich erschossen!" Der Satz geht in Ordnung.
Konsequenz ist so eine Sache, wenn man was aufschreibt, speziell, wenn es um Selbsterlebtes geht. (Auto-)Biographien erscheinen mir häufig allzu folgerichtig, Alles geht immer weiter, ein Steinchen kommt aufs andere und selbst in der Lebensbeschreibung einer Schlagerkollegin kommt mir ihr Absturz nur logisch vor, aber vielleicht ist das auch so, wenn man das Leben im Nachhinein betrachtet. Mein Leben ist ein Hin und Her, ich bin einige Um- und Irrwege gegangen. Es war auch nicht so viel Verschiedenes, ich habe den Multitalenten immer misstraut, ich war immer ein one-trick-pony, ein Spaßmacher der kleinen Form, sei es als Sketch, Lied, Zeitungsartikel oder Moderationsgag. Also kann ich auch nur, genau, wie ich aus Einzelteilen ein Programm für meine Auftritte zusammenstelle – was auch nicht unbedingt immer zusammenpasst – die selbe Vorgehensweise auch für ein Buch verwenden, und damit meine Geschichte(n) erzählen, unabhängig davon, ob sie ein Ganzes ergeben.

© Beppo Pohlmann